Experten gefragt

Unsere Experten liefern Antworten rund um die Symptome, Diagnose und Behandlung der Erkrankung.

Experten gefragt zum Thema Krebs

Was ist Lungenkrebs?

OA DR. KOLB

OA Dr. Kolb
Klinikum Wels Grieskirchen

Bei Lungenkrebs handelt es sich um ein bösartiges Geschwulst aus den Zellen der Lungenbläschen bzw. der Bronchialzellen. Diese Erkrankung ist die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen und Männern. Leider ist Lungenkrebs die häufigste Krebstodesursache bei Männern und bereits die zweithäufigste bei Frauen. Die Tatsache ist auf die besonders schlechte Prognose dieses aggressiven Tumors zurückzuführen.

Die Neuerkrankungsrate ist in Österreich vor allem bei Frauen weiter steigend. In über 80% aller Fälle ist Rauchen die Ursache dieser Erkrankung. Auf Grund der geänderten Rauchergewohnheiten sterben heute fünfmal so viele Frauen an Lungenkrebs wie noch vor 50 Jahren.

Meist wird die Diagnose Lungenkrebs in einem äußerst schlechten Stadium gestellt, in dem bereits in anderen Organen und Körperstrukturen Absiedelungen (=Metastasen) der Krebszellen zu finden sind.

Anhand des Erscheinungsbildes der beteiligten Zellen im Mikroskop unterscheiden wir zwei große Gruppen: das kleinzellige Karzinom (15%) und das wesentlich häufigere nicht-kleinzellige Karzinom (85%). Das nicht-kleinzellige Karzinom lässt sich in weitere Subtypen klassifizieren wie das Plattenepithelkarzinom, das Adenokarzinon, das großzellige Karzinom oder andere Karzinomarten. Diese Unterscheidung ist wichtig um die richtige Therapiewahl treffen zu können.

Früherkennungsuntersuchungen wie z.B die Mammographie ( Röntgenaufnahme der weiblichen Brust ) beim Brustkrebs der Frauen sind beim Lungenkrebs nicht etabliert. Letzte aktuelle Studien zeigen allerdings, dass in Zukunft computertomographische (CT) Untersuchungen bei Risikogruppen (=Raucher) zu Senkungen der Sterberaten führen könnten.

Ohne Zweifel wäre allerdings das strikte Meiden des Zigarettenkonsums die beste Möglichkeit die Entwicklung dieser tödlichen Erkrankung zu verhindern.

* Karzinom: Krebs

Welche Symptome gibt es bei Lungenkrebs?

OA DR. MAXIMILIAN HOCHMAIR

OA Dr. Maximilian Hochmair
Otto-Wagner-Spital Wien

Leider gibt es für Lungenkrebs keine spezifischen Symptome, weshalb Lungenkrebs oft erst sehr spät erkannt wird. Die Lunge selbst tut nicht weh, doch wenn der Tumor in die umliegenden Strukturen wächst, können Schmerzen auftreten. Typische Symptome können auch sein Blut spucken, Atemnot, Husten, Abgeschlagenheit oder Schmerzen im Brustwandbereich. Besonders RaucherInnen oder ehemalige RaucherInnen sollten jegliche Symptome ernst nehmen und bei ersten Anzeichen einen Arzt aufsuchen. Wie bei allen Tumoren gilt, je früher der Tumor erkannt wird, desto besser sind auch die Überlebenschancen. Lungenkrebs wird in frühzeitigen Stadien eher selten entdeckt, da meistens keine Beschwerden vorliegen und dieser meistens nur zufällig erkannt wird (z.B. durch eine Rötgenuntersuchung des Brustkorbs aus einem anderen Anlass).

Welche Untersuchungen werden zur Diagnose von Lungenkrebs gemacht?

Welche Untersuchungen werden zur Diagnose von Lungenkrebs gemacht?

OA DR. MAXIMILIAN HOCHMAIR

OA Dr. Maximilian Hochmair
Otto-Wagner-Spital Wien

Erste Information bei Krankheitsanzeichen kann ein Röntgen des Brustkorbs und der Lunge bringen. Im Röntgenbild erscheinen Tumore meisten als helle rundliche Flecken, welche man als Tumorrundherde bezeichnet. Um weitere Klarheit zu schaffen, wird eine sogenannte Bronchoskopie (Lungenspiegelung) durchgeführt. Bei dieser wird ein Schlauch unter örtlicher Betäubung durch den Mund in die Atemwege eingeführt und Gewebeproben werden aus den verdächtigen Stellen entnommen. Diese Gewebeproben werden anschließend untersucht, um festzustellen, ob ein bösartiger Tumor vorliegt und um die Tumorart zu bestimmen. Weitere Untersuchungen wie Magnetresonanztherapie (MRT) oder Computertomographie (CT) sind notwendig um abzuklären, ob der Tumor bereits Metastasen in anderen Organen gebildet hat (Gehirn oder z.B. in den Knochen).

Welche Krebsarten und Stadien gibt es bei Lungenkrebs?

OÄ DR. ZÖCHBAUER

OÄ Dr. ZÖCHBAUER
Allgemeines Krankenhaus Wien

Welche Tumorarten gibt es beim Lungenkrebs?

Beim Lungenkrebs (= Lungenkarzinom oder Bronchialkarzinom) unterscheidet man entsprechend dem histologischen/zytologischen Befund (= Ergebnis der Untersuchung der entnommenen Gewebeprobe oder Flüssigkeit) im Wesentlichen 2 Hauptgruppen: die nicht-kleinzelligen Karzinome (NSCLC, non-small cell lung cancer) und die kleinzelligen Karzinome (SCLC, small cell lung cancer). Die nicht-kleinzelligen Karzinome sind wesentlich häufiger und werden unterteilt in Adenokarzinome, Plattenepithelkarzinome und großzellige Karzinome. Daneben gibt es noch kombinierte Karzinome, die sich aus 2 unterschiedlichen Tumorarten zusammensetzen. Innerhalb der nicht-kleinzelligen Karzinome nehmen die Adenokarzinome die größte Gruppe ein, gefolgt von den Plattenepithelkarzinomen. Die großzelligen Karzinome sind weniger häufig. Die kleinzelligen Karzinome gehören zur Gruppe der neuroendokrinen Tumore, die weiters die Karzinoide (typische und atypische) und die großzelligen neuroendokrinen Tumore umfassen. Die häufigsten Tumore innerhalb dieser Gruppe sind die kleinzelligen Karzinome.

Wie wird der Tumor klassifiziert?

Die Klassifikation des Tumors erfolgt nach der sogenannten TNM-Klassifikation. Dabei werden die Größe und Ausdehnung des eigentlichen Tumors (= T), ob bestimmte Lymphknotenstationen vom Tumor befallen sind oder nicht (= N) und ob Metastasen in anderen Organen vorliegen oder nicht (= M) beurteilt. So haben T1 Tumore eine maximale Größe von 3 cm, T2 Tumore sind > 3cm aber ≤ 5cm, T3 Tumore > 5 cm aber ≤ 7 cm und T4 Tumore sind > 7cm. Zusätzlich ist für die Beurteilung des T Stadiums auch die Ausdehnung des Tumors entscheidend. Bezüglich der Lymphknoten gibt es die Möglichkeit, dass Lymphknoten nicht befallen sind (= N0) oder Lymphknoten vom Tumor doch befallen sind. Wenn Lymphknoten betroffen sind, unterscheidet man je nach Befall von bestimmten Lymphknoten, zwischen N1, N2 und N3 Befall. M0 bedeutet, dass keine Metastasen in anderen Organen vorliegen. M1 weist auf das Vorliegen von Metastasen in anderen Organen beziehungsweise in jener Lungenhälfte, die nicht vom eigentlichen Tumor betroffen ist, hin. Auch bei einer Flüssigkeitsansammlung in der Pleurahöhle (= Pleuraerguss) oder dem Herzbeutel (= Perikarderguss), die durch den Tumor hervorgerufen wurde, liegt ein M1 Stadium vor. Die Beurteilung der Erkrankung entsprechend der TNM-Klassifikation ist die Voraussetzung für die Stadieneinteilung. Dabei werden im wesentlichen die Stadien I, II, III und IV, die jeweils auch Untergruppen haben, unterschieden. Im Stadium IV ist die Erkrankung am weitesten fortgeschritten. Sowohl die Beurteilung der Tumorart als auch des Krankheitsstadiums ist eine wesentliche Voraussetzung für die Planung einer entsprechenden Therapie.

Welche Behandlungsformen kommen bei der Therapie von Lungenkrebs zur Anwendung?

Welche Behandlungsformen kommen bei der Therapie von Lungenkrebs zur Anwendung?

OÄ Dr. Wass
Kepler Universitätsklinikum Linz

Das wichtigste bei der Behandlung von Lungenkrebs ist die Tumorerkrankung so früh wie möglich zu diagnostizieren. Die größte Herausforderung ist, dass es wenige unspezifische Symptome gibt und dass in den meisten Fällen das Lungenkarzinom bei Diagnose schon in einem fortgeschrittenen Stadium ist. Die richtige Behandlung zu finden hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab, wie zum Beispiel:

  • von der histologischen Klassifikation des Karzinoms (kleinzellig oder nicht-kleinzellig),
  • von der Ausbreitung des Tumors (Stadieneinteilung) oder
  • vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten (Liegen Begleiterkrankungen vor? Wie gut ist die Lungenfunktion?)

In frühen Krankheitsstadien (Stadium I und II) kann der Tumor meistens operativ entfernt werden. Wenn der Patient von Lungenfunktion und Allgemeinzustand belastbar ist, wird man ihm eine Operation nahe legen und der Tumor wird mit Sicherheitsabstand entfernt. Häufig bedeutet das die Entfernung eines gesamten Lungenlappens. Wenn zusätzlich auch die regionalen Lymphknoten befallen, jedoch keine Fernmetastasen vorhanden sind, wird man nach der Operation noch eine Chemotherapie empfehlen um mögliche Mikrometastasen zu erreichen.

Bei älteren Patienten (>70 Jahre) mit vielen Begleiterkrankungen, eingeschränkter Lungenfunktion, schlechter Lebensqualität kommt alternativ auch eine primäre stereotaktische Bestrahlung (zielgerichtete Bestrahlung des Tumors) in Frage. Gerade im lokal fortgeschrittenen Stadium (Stadium III) hat sich in den letzten Wochen viel getan. Hier gibt es die Möglichkeit eine Immuntherapie nach einer kombinierten Radiochemotherapie einzusetzen . Die Chemotherapie wird in dreiwöchentlichen Zyklen verabreicht; parallel dazu wird der Tumor gezielt bestrahlt. Die Dauer der Radiotherapie hängt davon ab, welches Bestrahlung Schema verwendet wird. Im Anschluss an die Radiochemotherapie erhalten die Patienten alle 2 Wochen eine Immuntherapie. Patienten, die für eine gleichzeitig (konkomitant) durchgeführte Chemoradiotherapie nicht belastbar sind, können auch nach abgeschlossener Chemotherapie bestrahlt werden (sequentiell); auch in diesem Fall kann im Anschluss eine Immuntherapie verabreicht werden – auch wenn es für diese konkrete Therapieabfolge keine Studiendaten gibt.

Im Stadium 4 (hier liegen bereits Metastasen vor) muss eine systemische Therapie – also eine Therapie, die im gesamten Körper wirken kann, eingesetzt werden. Wichtig ist, dass bereits bei Diagnosestellung eine gründliche molekularpathologische Diagnostik betrieben wird, und die Tumorzellen auf sogenannte „Treiber-Mutationen“ untersucht werden. Durch das Vorhandensein von „Treiber-Mutationen“ kommt es zu einem beschleunigten Zellwachstum und somit zu einer ungehinderten, unkontrollierten Vermehrung der Tumorzellen. Hierzu wird die Biopsie (Gewebeprobe) nach Entnahme auf bestimmte Marker (EGFR, ALK, ROS1, BRAF und PD-L1) vom Pathologen getestet. Die zielgerichtete Therapie wird in Form von Tabletten gegeben, die schnell wirken und der Chemotherapie überlegen sind. Diese molekularen Veränderungen finden sich nur in ca. 20% aller Patienten mit Adenokarzinomen, sodass nicht für alle Patienten zielgerichtete Therapien zum Einsatz kommen können. Neben den konventionellen Chemotherapien kommen in diesem Stadium auch Immuntherapien zum Einsatz, die alleine oder in Kombination mit Chemotherapie (wenn der Patient dafür belastbar ist) gegeben werden. Aktuell ist eine Behandlung mit einer Kombinationstherapie nur beim Adenokarzinom zugelassen.