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„Ich habe aufgehört, in Tagen zu denken.
Für mich zählen nur mehr Momente.“

Neue Therapien ermöglichen KrebspatientInnen länger ein erfüllendes Leben zu führen. Wir baten drei PatientInnen, ihre wichtigsten Momente in Gläsern festzuhalten.

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Vor der Diagnose, ja, wie war ich da?

Gestresst beschreibts wahrscheinlich am besten. Ab einem bestimmten Arbeitspensum hast ja nicht nur den Arbeitsstress, sondern der Freizeitstress kommt auch noch dazu. Und das ist dann halt so ein Rad, in das man reinfällt.

Sicher ist es traurig, dass dann so eine Diagnose die Notbremse ziehen muss, weil mans selber nicht schafft.

Ich weiß, das klingt jetzt arg, aber ich hab in den fast zwei Jahren jetzt, also seit der Diagnose, gefühlt mehr erlebt, als in den zehn Jahren vorher. Also dann zu realisieren wieviel Zeit man im Büro und auf irgendwelchen Events, ja, verschwendet hat. Ich glaub das ist das, was am meisten weh tut irgendwo.

Ja und wie wenig man sich um Familie und Freunde geschert hat. Ich mein ich hab selbst keine Kinder, das hat sich einfach nie ergeben und das ist auch ok. Aber mit meinem Neffen, wenn ich mit ihm und meinem Bruder was mach, ins Bad gehen oder einfach raus gehen, da merkt man schon, dass da was ist, was man vorher nicht gekannt hat.

Ich bin auf jeden Fall dankbar. Also vor allem, dass ich noch reisen kann und nicht daheim herumliegen muss. Also reisen vor allem, ich bin zwar immer viel herumgereist, aber das war halt dann meistens geschäftlich. Und da gibt’s eben einen Unterschied zwischen „sehen“ und „bewusst hinschauen“ auf die Dinge. Ja, ich hab zwar viel gesehen, aber hingeschaut hab ich eigentlich nie.

Und jetzt…schau ich ganz genau hin.

Ich glaub, meine Pferde haben es schon länger gewusst. Also man sagt ja, dass Tiere das spüren, wenn irgendwas nicht stimmt, und ich glaub, die Mimi und der Carlos, die haben das gewusst. Die sind immer ruhiger geworden, und irgendwie, traurig, und haben mich angestuppst und das haben sie vorher nicht gemacht. Also ja, ich bin mir sicher, dass die das gewusst haben.

Ich hab es dann ein paar Monate später erst erfahren. Ich weiß nimmer, wie das dann genau war, also was der Arzt dann genau gesagt hat. Ich hab ihm dann auch nicht so zugehört. Ich hab mir gedacht, das stimmt nicht, ich rauch schon ewig nimmer und da haben die sich vertan und die sollen da nochmal schauen.

Ich hab dann meinen Mann angerufen und gesagt, er soll mich abholen. Dann haben wir uns zusammen gesetzt und geredet. Also wie wir es den Kindern sagen vor allem. Das war sicher das schlimmste Gespräch meines Lebens.

Am Abend hab ich dann zum ersten mal einen Stift in die Hand genommen, und geschrieben, einfach alles was in meinem Kopf herumgeschwirrt ist aufgeschrieben. Ich wollte nimmer darüber reden, am liebsten wäre es mir gewesen, dass alles bleibt wie es ist und irgendwann, wenns soweit ist, dann…ja, dann ist es halt so. Und wie ich fertig war hab ich den Stift weggelegt, und alles, was mich so belastet hat war auf einmal auf dem Zettel und nicht mehr in meinem Kopf. Es war ruhig. Und befreiend irgendwie. Deshalb schreib ich heut auch noch jeden Tag zumindest ein paar Sätze.

Und sonst? Ja, reiten tu ich auch noch. Reitstunden geben. Mit den Kindern ausreiten. Und wenn es mal körperlich nicht geht, dann probier ich zumindest in den Stall zu schauen, zu den Pferden.

Manchmal stuppsen sie mich immer noch an und sind traurig wenn sie mich sehen, wenn ich angeschlagen bin oder traurig, dann spüren sie das halt.

Aber meistens freuen sie sich.

Im Sommer, auf so einem Dach, da hat’s 60, 70 Grad. Du kraxelst da 15 Meter überm Boden herum. Ziegel legen, teeren, es stinkt, es ist heiß und die Augen brennen. Über 40 Jahre hab ich das gemacht. Sowas muss man schon wollen.

Als Dachdecker musst du halt körperlich belastbar sein. Deshalb hat mir der Krebs vor allem psychisch zugesetzt. Also wie ich es erfahren hab, da hab ich weniger an mich gedacht, sondern an die Kinder und die Enkerl und meine Frau, die leiden ja alle mit irgendwo, auch wenn du das gar nicht willst. Das hat mich glaub ich mehr belastet, als die Therapie an sich.

Ich hab dann versucht mich zurückzuziehen, weil ich geglaubt hab so geh ich niemandem auf die Nerven und die sollen in Frieden leben und ich beschütz sie vor meinem Krebs. Aber im Endeffekt haben sie dann alle geglaubt mir geht’s noch schlechter und sie haben sich noch mehr Sorgen gemacht.

Meine Frau hat mich dann quasi zu meinem Glück gezwungen. Sie hat gesagt sie schaut sich das nicht länger an, wie ich in meinem Kammerl hock und aus dem Fenster schau. Und wenn meine Frau was will, dann passiert das auch.

Und recht hat sie gehabt. Alles ist besser als daheim herumzusitzen. Wenn es warm ist, gehen wir jetzt oft zum Heurigen. Dort setzen wir uns hin, essen was, trinken was, lesen Bücher oder Zeitung und dann gehen wir wieder retour. Das ist schon ein gutes Stückl, keine Bergtour wie früher, aber wir sind ja beide nicht mehr die Jüngsten.

Manchmal nehmen wir auch den Kleinen, also den Enkel, mit. Oder wir passen so auf ihn auf. Jetzt läuft er schon herum, da bleibt für mich auch keine Zeit zum Ausruhen.

Ich glaub das ist, für mich, der Sinn des Lebens. Also nicht einfach nur überleben, sondern so lange es geht etwas zu erleben. Erfahrungen sammeln, was lernen…das macht für mich das Menschsein aus.

Es geht mir nicht mehr darum wie lang ich noch überleben darf, sondern wie viel ich in der Zeit die mir bleibt noch erleben darf.

Und ich genieße jeden Moment davon.

„Ich habe aufgehört, in Tagen zu denken. Für mich zählen nur mehr Momente.“

Wie geht man mit der Diagnose metastasierter Lungenkrebs um? Sie verändert das gesamte Leben und stellt alles auf den Kopf. Durch moderne Therapien gewinnen Betroffene Zeit, um mehr Momente zu zählen und das Leben noch möglichst lange bewusst zu genießen.

Um diese Augenblicke festzuhalten, baten wir Menschen mit metastasiertem Lungenkrebs, Symbole ihrer wertvollsten Momente in einem Glas zu sammeln. Die entstandenen Momente-Gläser sollen Lungenkrebs-Patienten ermutigen, trotz ihres schweren Schicksals nach vorne zu blicken. Gleichzeitig gewähren sie Einblick in die Gefühlswelten der Betroffenen, die durchaus Überraschungen bereithalten.

Informationen für Patienten rund um die Therapie

PatientInnenen und Angehörige beschäftigen sich mit vielen Fragen und werden von vielen Unsicherheiten im Laufe der Erkrankung und der Therapie begleitet. Ein gutes Mittel gegen Ängste ist fundiertes Wissen und vor allem eine kompetente Begleitung.

Diese Website soll aber nicht nur für Aufmerksamkeit sorgen, sondern Betroffenen und deren Angehörigen als Informationsquelle dienen. Deshalb bieten wir hier wissenswerte Informationen zur Krebserkrankung und den Behandlungsmethoden an.

Experten gefragt

Was ist Lungenkrebs?

OA Dr Kolb
Klinikum Wels Grieskirchen

Bei Lungenkrebs handelt es sich um ein bösartiges Geschwulst aus den Zellen der Lungenbläschen bzw. der Bronchialzellen. Diese Erkrankung ist die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen und Männern. Leider ist Lungenkrebs die häufigste Krebstodesursache bei Männern und bereits die zweithäufigste bei Frauen. Die Tatsache ist auf die besonders schlechte Prognose dieses aggressiven Tumors zurückzuführen.

Die Neuerkrankungsrate ist in Österreich vor allem bei Frauen weiter steigend. In über 80% aller Fälle ist Rauchen die Ursache dieser Erkrankung. Auf Grund der geänderten Rauchergewohnheiten sterben heute fünfmal so viele Frauen an Lungenkrebs wie noch vor 50 Jahren.

Meist wird die Diagnose Lungenkrebs in einem äußerst schlechten Stadium gestellt, in dem bereits in anderen Organen und Körperstrukturen Absiedelungen (=Metastasen) der Krebszellen zu finden sind.

Anhand des Erscheinungsbildes der beteiligten Zellen im Mikroskop unterscheiden wir zwei große Gruppen: das kleinzellige Karzinom (15%) und das wesentlich häufigere nicht-kleinzellige Karzinom (85%). Das nicht-kleinzellige Karzinom lässt sich in weitere Subtypen klassifizieren wie das Plattenepithelkarzinom, das Adenokarzinon, das großzellige Karzinom oder andere Karzinomarten. Diese Unterscheidung ist wichtig um die richtige Therapiewahl treffen zu können.

Früherkennungsuntersuchungen wie z.B die Mammographie ( Röntgenaufnahme der weiblichen Brust ) beim Brustkrebs der Frauen sind beim Lungenkrebs nicht etabliert. Letzte aktuelle Studien zeigen allerdings, dass in Zukunft computertomographische (CT) Untersuchungen bei Risikogruppen (=Raucher) zu Senkungen der Sterberaten führen könnten.

Ohne Zweifel wäre allerdings das strikte Meiden des Zigarettenkonsums die beste Möglichkeit die Entwicklung dieser tödlichen Erkrankung zu verhindern.

* Karzinom: Krebs

Welche Symptome gibt es bei Lungenkrebs?

OA Dr. Maximilian Hochmair
Otto-Wagner-Spital Wien

Leider gibt es für Lungenkrebs keine spezifischen Symptome, weshalb Lungenkrebs oft erst sehr spät erkannt wird. Die Lunge selbst tut nicht weh, doch wenn der Tumor in die umliegenden Strukturen wächst, können Schmerzen auftreten. Typische Symptome können auch sein Blut spucken, Atemnot, Husten, Abgeschlagenheit oder Schmerzen im Brustwandbereich. Besonders RaucherInnen oder ehemalige RaucherInnen sollten jegliche Symptome ernst nehmen und bei ersten Anzeichen einen Arzt aufsuchen. Wie bei allen Tumoren gilt, je früher der Tumor erkannt wird, desto besser sind auch die Überlebenschancen. Lungenkrebs wird in frühzeitigen Stadien eher selten entdeckt, da meistens keine Beschwerden vorliegen und dieser meistens nur zufällig erkannt wird (z.B. durch eine Rötgenuntersuchung des Brustkorbs aus einem anderen Anlass).

Welche Untersuchungen werden zur Diagnose von Lungenkrebs gemacht?

Erste Information bei Krankheitsanzeichen kann ein Röntgen des Brustkorbs und der Lunge bringen. Im Röntgenbild erscheinen Tumore meisten als helle rundliche Flecken, welche man als Tumorrundherde bezeichnet. Um weitere Klarheit zu schaffen, wird eine sogenannte Bronchoskopie (Lungenspiegelung) durchgeführt. Bei dieser wird ein Schlauch unter örtlicher Betäubung durch den Mund in die Atemwege eingeführt und Gewebeproben werden aus den verdächtigen Stellen entnommen. Diese Gewebeproben werden anschließend untersucht, um festzustellen, ob ein bösartiger Tumor vorliegt und um die Tumorart zu bestimmen. Weitere Untersuchungen wie Magnetresonanztherapie (MRT) oder Computertomographie (CT) sind notwendig um abzuklären, ob der Tumor bereits Metastasen in anderen Organen gebildet hat (Gehirn oder z.B. in den Knochen).

Welche Krebsarten und Stadien gibt es bei Lungenkrebs?

OÄ Dr. Zöchbauer
Allgemeines Krankenhaus Wien

Welche Tumorarten gibt es beim Lungenkrebs?

Beim Lungenkrebs (= Lungenkarzinom oder Bronchialkarzinom) unterscheidet man entsprechend dem histologischen/zytologischen Befund (= Ergebnis der Untersuchung der entnommenen Gewebeprobe oder Flüssigkeit) im Wesentlichen 2 Hauptgruppen: die nicht-kleinzelligen Karzinome (NSCLC, non-small cell lung cancer) und die kleinzelligen Karzinome (SCLC, small cell lung cancer). Die nicht-kleinzelligen Karzinome sind wesentlich häufiger und werden unterteilt in Adenokarzinome, Plattenepithelkarzinome und großzellige Karzinome. Daneben gibt es noch kombinierte Karzinome, die sich aus 2 unterschiedlichen Tumorarten zusammensetzen. Innerhalb der nicht-kleinzelligen Karzinome nehmen die Adenokarzinome die größte Gruppe ein, gefolgt von den Plattenepithelkarzinomen. Die großzelligen Karzinome sind weniger häufig. Die kleinzelligen Karzinome gehören zur Gruppe der neuroendokrinen Tumore, die weiters die Karzinoide (typische und atypische) und die großzelligen neuroendokrinen Tumore umfassen. Die häufigsten Tumore innerhalb dieser Gruppe sind die kleinzelligen Karzinome.

Wie wird der Tumor klassifiziert?

Die Klassifikation des Tumors erfolgt nach der sogenannten TNM-Klassifikation. Dabei werden die Größe und Ausdehnung des eigentlichen Tumors (= T), ob bestimmte Lymphknotenstationen vom Tumor befallen sind oder nicht (= N) und ob Metastasen in anderen Organen vorliegen oder nicht (= M) beurteilt. So haben T1 Tumore eine maximale Größe von 3 cm, T2 Tumore sind > 3cm aber ≤ 5cm, T3 Tumore > 5 cm aber ≤ 7 cm und T4 Tumore sind > 7cm. Zusätzlich ist für die Beurteilung des T Stadiums auch die Ausdehnung des Tumors entscheidend. Bezüglich der Lymphknoten gibt es die Möglichkeit, dass Lymphknoten nicht befallen sind (= N0) oder Lymphknoten vom Tumor doch befallen sind. Wenn Lymphknoten betroffen sind, unterscheidet man je nach Befall von bestimmten Lymphknoten, zwischen N1, N2 und N3 Befall. M0 bedeutet, dass keine Metastasen in anderen Organen vorliegen. M1 weist auf das Vorliegen von Metastasen in anderen Organen beziehungsweise in jener Lungenhälfte, die nicht vom eigentlichen Tumor betroffen ist, hin. Auch bei einer Flüssigkeitsansammlung in der Pleurahöhle (= Pleuraerguss) oder dem Herzbeutel (= Perikarderguss), die durch den Tumor hervorgerufen wurde, liegt ein M1 Stadium vor. Die Beurteilung der Erkrankung entsprechend der TNM-Klassifikation ist die Voraussetzung für die Stadieneinteilung. Dabei werden im wesentlichen die Stadien I, II, III und IV, die jeweils auch Untergruppen haben, unterschieden. Im Stadium IV ist die Erkrankung am weitesten fortgeschritten. Sowohl die Beurteilung der Tumorart als auch des Krankheitsstadiums ist eine wesentliche Voraussetzung für die Planung einer entsprechenden Therapie.

Welche Behandlungsformen kommen bei der Therapie von Lungenkrebs zur Anwendung?

OÄ Dr. Wass
Kepler Universitätsklinikum Linz

Das wichtigste bei der Behandlung von Lungenkrebs ist die Tumorerkrankung so früh wie möglich zu diagnostizieren. Die größte Herausforderung ist, dass es wenige unspezifische Symptome gibt und dass in den meisten Fällen das Lungenkarzinom bei Diagnose schon in einem fortgeschrittenen Stadium ist. Die richtige Behandlung zu finden hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab, wie zum Beispiel:

  • von der histologischen Klassifikation des Karzinoms (kleinzellig oder nicht-kleinzellig),
  • von der Ausbreitung des Tumors (Stadieneinteilung) oder
  • vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten (Liegen Begleiterkrankungen vor? Wie gut ist die Lungenfunktion?)

In frühen Krankheitsstadien (Stadium I und II) kann der Tumor meistens operativ entfernt werden. Wenn der Patient von Lungenfunktion und Allgemeinzustand belastbar ist, wird man ihm eine Operation nahe legen und der Tumor wird mit Sicherheitsabstand entfernt. Häufig bedeutet das die Entfernung eines gesamten Lungenlappens. Wenn zusätzlich auch die regionalen Lymphknoten befallen, jedoch keine Fernmetastasen vorhanden sind, wird man nach der Operation noch eine Chemotherapie empfehlen um mögliche Mikrometastasen zu erreichen.

Bei älteren Patienten (>70 Jahre) mit vielen Begleiterkrankungen, eingeschränkter Lungenfunktion, schlechter Lebensqualität kommt alternativ auch eine primäre stereotaktische Bestrahlung (zielgerichtete Bestrahlung des Tumors) in Frage. Gerade im lokal fortgeschrittenen Stadium (Stadium III) hat sich in den letzten Wochen viel getan. Hier gibt es die Möglichkeit eine Immuntherapie nach einer kombinierten Radiochemotherapie einzusetzen . Die Chemotherapie wird in dreiwöchentlichen Zyklen verabreicht; parallel dazu wird der Tumor gezielt bestrahlt. Die Dauer der Radiotherapie hängt davon ab, welches Bestrahlung Schema verwendet wird. Im Anschluss an die Radiochemotherapie erhalten die Patienten alle 2 Wochen eine Immuntherapie. Patienten, die für eine gleichzeitig (konkomitant) durchgeführte Chemoradiotherapie nicht belastbar sind, können auch nach abgeschlossener Chemotherapie bestrahlt werden (sequentiell); auch in diesem Fall kann im Anschluss eine Immuntherapie verabreicht werden – auch wenn es für diese konkrete Therapieabfolge keine Studiendaten gibt.

Im Stadium 4 (hier liegen bereits Metastasen vor) muss eine systemische Therapie – also eine Therapie, die im gesamten Körper wirken kann, eingesetzt werden. Wichtig ist, dass bereits bei Diagnosestellung eine gründliche molekularpathologische Diagnostik betrieben wird, und die Tumorzellen auf sogenannte „Treiber-Mutationen“ untersucht werden. Durch das Vorhandensein von „Treiber-Mutationen“ kommt es zu einem beschleunigten Zellwachstum und somit zu einer ungehinderten, unkontrollierten Vermehrung der Tumorzellen. Hierzu wird die Biopsie (Gewebeprobe) nach Entnahme auf bestimmte Marker (EGFR, ALK, ROS1, BRAF und PD-L1) vom Pathologen getestet. Die zielgerichtete Therapie wird in Form von Tabletten gegeben, die schnell wirken und der Chemotherapie überlegen sind. Diese molekularen Veränderungen finden sich nur in ca. 20% aller Patienten mit Adenokarzinomen, sodass nicht für alle Patienten zielgerichtete Therapien zum Einsatz kommen können. Neben den konventionellen Chemotherapien kommen in diesem Stadium auch Immuntherapien zum Einsatz, die alleine oder in Kombination mit Chemotherapie (wenn der Patient dafür belastbar ist) gegeben werden. Aktuell ist eine Behandlung mit einer Kombinationstherapie nur beim Adenokarzinom zugelassen.

Behandlung

Da jede Krebstherapie von der Art des Tumors abhängt, verläuft sie bei jedem Betroffenen unterschiedlich. Es gibt jedoch Standard-Therapien, die auch in Kombination miteinander angewendet werden können.

Operation

Grundsätzlich gilt bei allen Krebsoperationen: Sie sollten so umfangreich wie nötig, aber gleichzeitig auch so schonend wie möglich durchgeführt werden. Im besten Falle wird der Tumor vollständig entfernt, und das erkrankte Organ und seine Funktion bleiben erhalten.

Chemotherapie

Für diese Art der Behandlung stehen eine Vielzahl verschiedener, die Zellteilung und dadurch das Tumorwachstum hemmende, chemischen Substanzen, sogenannte Chemotherapeutika oder Zytostatika, zur Verfügung, die in den Vermehrungszyklus der Krebszellen eingreifen. Über das Blut gelangen diese Substanzen zu den Zellen im ganzen Körper.

Die Chemotherapie wird meistens ambulant durchgeführt, in den entsprechenden Ambulanzen oder Tageskliniken im Krankenhaus. Patienten erhalten entweder nur eine Substanz oder eine Kombination aus mehreren Substanzen, welche nach einem bestimmten Behandlungsschema verabreicht werden. Die Gabe der Chemotherapie erfolgt in Zyklen. Zwischen diesen Zyklen liegt eine Pause von 2-4 Wochen, in der sich der Körper erholen kann.

Strahlentherapie

Bei der Strahlentherapie werden Krebszellen durch energiereiche Strahlung zerstört. Im Gegensatz zur medikamentösen, im ganzen Körper wirkenden Chemotherapie ist die Strahlenbehandlung eine rein lokale Maßnahme - die tumorzerstörende Wirkung tritt also nur innerhalb des Bestrahlungsfeldes auf.

Zielgerichtete Therapie

Diese Behandlungen setzen bei molekularen Prozessen in der Zelle an, die diese zu einer Krebszelle gemacht haben. Sie wirken spezifisch gegen den Krebs, weil sie auf molekulare Eigenschaften von Krebszellen abzielen, die nur diesen, nicht oder kaum jedoch gesunden Körperzellen eigen sind.

Immuntherapie

Die Grundidee der Immuntherapie ist das körpereigene Immunsystem wieder zu aktivieren um die Krebszellen zu bekämpfen und somit den Krebs behandelbar zu machen. Eine Variante dieser Immuntherapie stellt den Einsatz therapeutischer Antikörper dar. Krebszellen können die Eigenschaft erwerben, an ihrer Oberfläche Moleküle zu präsentieren, deren Aufgabe es ist, Immunzellen abzuschalten und damit eine Bekämpfung zu verhindern. Diese Antikörper nutzen nun diesen Mechanismus gezielt aus: Sie blockieren und verdecken diese Oberflächen-Moleküle und schalten dadurch den Tarnmodus der Krebszellen aus. Immunzellen können nun wieder Krebszellen als entartete Zellen erkennen und versuchen diese zu beseitigen.

Häufig gestellte Fragen

Wo finde ich Ansprechpartner?

Sie müssen den Krebs nicht im Alleingang besiegen. Holen Sie sich Unterstützung von Beratungs- und Hilfseinrichtungen und Selbsthilfegruppen in Ihrer Region. Viele Angebote sind kostenlos, werden von der Sozialversicherung übernommen oder Sie erhalten eine Förderung.

  • Krebshilfe Österreich – www.krebshilfe.net (auch als deutschsprachige KrebsHILFE App)
  • Österreichische Gesellschaft für Psychoonkologie – www.oegpo.at
  • 24 Stunden Telefonseelsorge Österreich – Notrufnummer 142
  • Anonyme Mail- und Chat-Beratung der Telefonseelsorge Österreich – www.telefonseelsorge.at
  • www.selbsthilfe-krebs.at
  • www.selbsthilfe.at
  • Lungenkrebsforum Austria – http://www.lungenkrebsforum-austria.at

Was kommt auf meinen Körper zu?

Nebenwirkungen

Wenn Sie – so wie der berühmte Indianer – „keinen Schmerz kennen“, ist es jedoch während jeder Krebstherapie sehr wichtig, alle körperlichen Beschwerden, als Warnsignale Ihres Körpers wahrzunehmen und Ihren Ärzten darüber zu berichten. Damit der Heilungserfolg und Ihre Gesundheit nicht gefährdet werden, ist Ihr Behandlungsteam auf diese Information dringend angewiesen!

Viele Nebenwirkungen der Immuntherapie kann man mit bestimmten Arzneimitteln wie Kortikosteroiden gut in den Griff bekommen. Wenn nicht, entscheidet Ihr Behandlungsteam ob die Therapie verschoben, unterbrochen oder abgebrochen werden muss.

TIPP: Informieren Sie Ihre Angehörigen und KollegInnen über Nebenwirkungen. Es kann sein, dass manches von anderen eher wahrgenommen wird als von Ihnen selbst. Rückmeldungen aus Ihrem Umfeld sind daher wichtig!

Wenn die Therapie „auf den Magen schlägt“

Übelkeit und Erbrechen sind wohl die meist gefürchteten Begleiterscheinungen bei Chemo- und Strahlentherapie. Heutzutage gibt es jedoch wirksame Medikamente, sogenannte „Antiemetika“, die bereits präventiv verabreicht werden können.

Bevor Sie Heiltees oder auch pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel anwenden, besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt. Diese könnten potente Wirkstoffe enthalten, die zu unerwünschten Wechselwirkungen führen. Auch Akupunktur kann hier als ergänzende Behandlung hilfreich sein, sowie die Aromatherapie und Aromapflege, die bereits in vielen Krankenhäusern angeboten wird. Ätherische Öle in Bädern, auf Geruchspflastern, in Massageölen oder Duftlampen können manche Symptome lindern und wirken antibakteriell, antiviral und antimykotisch. Die Düfte haben eine positive Auswirkung auf das seelische Wohlbefinden der Patienten.

TIPP: Unser Tipp gegen Übelkeit, Erbrechen und Geruchsüberempfindlichkeit Lavendel-Kamille. Geben Sie 1 Tropfen Lavendel fein und 1 Tropfen Kamille römisch direkt auf ein Taschentuch atmen Sie den Duft ruhig ein.

Ernährung bei Krebs

Im Zuge jeder Krebstherapie ist ausgewogene Ernährung besonders wichtig. Nicht alle Krebsbehandlungen wirken sich auf Appetit oder Verdauung aus. Bei der Strahlen- und Chemotherapie wird eine täglich Flüssigkeitszufuhr von mindestens 1,5 – 2 Liter Wasser, verdünnten Obst- oder Gemüses.ften oder ungesüßten Kräuter- oder Früchtetees empfohlen, da die Abbauprodukte über die Nieren ausgeschieden werden.

Falls Sie unter Übelkeit, Geschmacksbeeinträchtigungen oder Entzündungen der Schleimhäuten in Mund, Speiseröhre und Darm leiden, und deswegen nicht genügend Nahrung aufnehmen, gibt es heutzutage Medikamente, die helfen. Ernährungsempfehlung bei ungewolltem Gewichtsverlust:

  • Essen Sie kleine Mahlzeiten, mehrmals täglich
  • Stellen Sie Schalen mit Nüssen, Kernen oder Oliven in Ihrer Wohnung auf, damit Sie zwischendurch naschen können
  • Avocados sind ausgezeichnete Fett- und Energielieferanten und können als Aufstrich und in Salaten verzehrt werden.
  • Achten Sie beim Kauf von Milchprodukten auf hohen Fettgehalt.
  • Verfeinern Sie Suppen und Saucen mit Schlagobers, Crème fraîche, Sauerrahm oder Butter.
  • Trinknahrung hilft Ihnen ebenfalls Ihr Gewicht zu halten und somit das Wohlbefinden zu steigern.

Was tun bei Kaubeschwerden und Schluckstörungen?

Sollten Sie im Rahmen Ihrer Krebstherapie unter Kaubeschwerden oder Schluckstörungen leiden, ist es wichtig, dass Sie Ihre Ernährung anpassen, damit Sie sich nicht verschlucken.

Essen Sie

  • weiche Kost, wie z.B. Püree, Frischkäse, Aufstriche, Joghurt
  • Weißbrot, dass sich mit der Zunge am Gaumen zerdrücken lässt
  • weiche Süssspeisen, wie z.B. Salzburger Nockerl, Pudding, Eiscreme, Fruchtmus

Vermeiden Sie

  • gemischte Konsistenzen wie z.B. Suppe mit Backerbsen oder Kompotte
  • trockene und schwer kaubare Lebensmittel, wie z.B. Nüsse, Müsli, Mohn, Knäckebrot, Kekse, Zwieback, trockene Kuchen
  • Lebensmittel mit hohem Säureanteil, wie z.B. Orangen, Zitronen, Kiwi, Essig
  • Faserreiche Lebensmittel, wie z.B. Rindfleisch, Spargel, Rhabarber, Ananas
  • Harte Lebensmittel, wie z.B. Trockenfrüchte, rohes Gemüse, Kraut, Hülsenfrüchte,
  • Paprika, etc.
  • Getränke mit Kohlensäure
  • Ganze Kräuter, vor allem in Flüssigkeiten (Schnittlauch in der Suppe)

Verstopfung

Anhaltende Verstopfung sollte man immer mit dem Behandlungsteam besprechen. Dafür gibt es wichtige Gründe. Herkömmliche Medikamente, die z.B. bei einer Urlaubsreise gegen Verstopfung geholfen haben, können während einer Krebstherapie kontraproduktiv sein, weil sie ein größeres Problem verschleiern.

  • Trinken Sie viel Wasser, Tee oder Fruchtsäfte (warm oder zumindest Zimmertemperatur)
  • Für ballaststoffreiche Zwischenmahlzeiten, platzieren Sie in Ihrer Wohnung überall Schälchen mit Nüssen, getrockneten Früchten, Gemüse, Obst
  • Bewegen Sie Sich ein wenig. Das fördert die Verdauung.

Bevor Sie sanfte Hausmittel, wie Müsli, Leinsamen, Flohsamen einsetzen, fragen Sie Ihren Arzt. Diese könnten die Darmpassage behindern, wenn man zu wenig dazu trinkt.

Dasselbe gilt für rezeptfreie Medikamente aus der Apotheke, die eventuell zu unerwünschten Wechselwirkungen mit Ihrer Krebstherapie führen können.

Durchfall

Durchfall kann bei KrebspatientInnen unterschiedliche Ursachen haben. Daher müssen Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt möglichst rasch wieder ausgeglichen werden. Doch was man trinkt, ist bei einer gestörten Verdauung nicht ganz unwichtig. Hält Durchfall länger als wenige Stunden an, ist Beratung durch die behandelnden Ärzte sinnvoll.

  • Vermeiden Sie scharfe, saure oder stark gewürzte Speisen
  • Wenn Sie durch den Durchfall Gewicht verloren haben, reichern Sie Ihre Speisen mit gehaltvollen Lebensmitteln wie z.B. Sahne, Butter oder Proteinpulver an.
  • Essen Sie größere Mahlzeiten, wenn Sie sich gut fühlen oder Appetit haben,
  • Nach dem Essen entspannen, aber nicht hinlegen.
  • Fragen Sie Ihr Behandlungsteam nach Ernährungstipps und Nahrungsergänzungsmittel
  • Führen Sie ein Ernährungstagebuch – so können Sie besser kontrollieren wann und wie viel Nahrung Sie zu sich genommen haben.

Entzündung der Schleimhäute

Bei der Chemotherapie kann es vorübergehend zu Entzündungen der Mundschleimhaut und Mundtrockenheit kommen. Dies gilt auch für die Strahlentherapie, wenn die Bestrahlung im Kopf/Halsbereich durchgeführt wird.

  • Beugen Sie Entzündungen in der Mundhöhle vor
  • Lassen Sie vor der Therapie eine Zahnkontrolle durchführen
  • Spülen Sie nach jeder Mahlzeit den Mund (z.B. mit Salbeitee)
  • Verwenden Sie Mundwasser ohne Menthol oder Alkohol
  • Verwenden Sie Kinderzahncreme und eine weiche Zahnbürste, die Sie nach 4 Wochen wechseln
  • Essen Sie Eiscreme, um die entzündeten Stellen zu kühlen. Besonders energiereiches Eis
  • erhalten Sie, indem Sie Trinknahrung oder Säfte in kleinen Formen einfrieren und dann lutschen
  • Verzichten Sie auf alles, was die Schleimhäute reizen könnte, wie konzentrierte Obstsäfte, zu trockene oder stark gewürzte Speisen, Nikotin und Alkohol

Sich in der eigenen Haut nicht wohl fühlen

Unsere Haut ist mit mehr als 2 Milliarden Zellen unser größtes Sinnesorgan. Sie wirkt als Schutzschild, regelt den Wärmehaushalt und spiegelt unser seelisches Befinden wider, wenn wir zum Beispiel „vor Scham erröten“ oder „blass vor Schreck“ werden.

Während Krebserkrankungen und deren unterschiedlichen Behandlungsformen, kann unsere Haut von Juckreiz, Rötungen oder Operationsnarben geplagt werden. Gerade weil unsere Haut für andere gut sichtbar ist, empfinden manche PatientInnen Narben, entzündete oder juckende Haut als seelische Belastung und Einschränkung der Lebensqualität. Man kann zwar aus seiner Haut nicht heraus, aber man kann sie gut behandeln. Konventionelle Pflegeprodukte und Kosmetika enthalten Mineralöl, Paraffine oder Vaseline. Diese bieten den auf der Haut lebenden Mikroorganismen keine Nahrung. Dadurch wird die physiologische Haut nicht unterstützt.

  • Waschen Sie sich mit klarem, lauwarmen Wasser
  • Verwenden Sie ph-neutrale Pflege- und Kosmetikprodukte
  • Verzichten Sie auf das Schwimmen im Chlorwasser
  • Besser eine kurze Dusche, als ein Vollbad nehmen - so vermeiden Sie das Austrocknen Ihrer Haut
  • Wenn Sie in die Sonne gehen, verwenden Sie Sonnencreme mit hohem Sonnenschutzfaktor
  • Schützen Sie Ihre Nägel und tragen Sie z.B. beim Abwasch Handschuhe
  • Gegen brüchige Nägel hilft Nagelöl

Fatigue - Syndrom

Das Fatigue-Syndrom bezeichnet einen Erschöpfungszustand, der während und auch nach – einer Krebsbehandlung auftreten kann. Dabei handelt es sich nicht um eine „normale Müdigkeit“, die mit Schlaf oder Regenerierungsphasen ausgeglichen werde kann. Vielmehr beschreibt das Fatigue-Syndrom eine ständige körperliche und mentale Erschöpfung, bis hin zur Depression. Man fühlt sich leer, müde, kraft- und antriebslos. Ebenso können Wortfindungs- und Konzentrationsstörungen einhergehen.

TIPP:Bewegung an der frischen Luft weckt die Lebensgeister. Fordern Sie sich keine Höchstleistungen ab. Wenn Sie untertags müde werden, legen Sie ein Nickerchen ein. Informieren Sie Ihre Angehörigen – vielleicht kann Sie jemand bei Ihren täglichen Arbeiten unterstützen?